Christian Reichenbach ist nicht mehr! -  Ein Nachruf!

 

                                                                             

In Oberlungwitz in Sachsen geboren, lernte er im elterlichen Baugeschäft  den Beruf des Maurers, baute als Jugendlicher seinen  ersten Taubenschlag. Aber nach Kriegsende zog es ihn hinaus in die Welt, arbeitete zuerst bei einem Bauern in Schleswig-Holstein als Melker. Nicht gut behandelt zog er weiter und kam beim Zirkus Hagenbeck in Hamburg als Elefanten-Pfleger unter. In dieser Zeit schrieb er schon kleine Artikel über Farbentauben in der Berliner-Taubenwelt, die er mit kindhaften Zeichnungen  versah. Die Geflügel-Börse, die von Leipzig nach München geflohen war und der Landesverbandsgrande und Züchter Sächsischer Farbentauben, Wilhelm Bremer wurden auf ihn aufmerksam und lockten Christian  nach Oberbayern. Auf Reichenbachs drängen hin rief Bremer zur Gründung eines Sondervereins für belatschte Farbentauben  auf. Reichenbach wurde Geschäftsführer, kurze Zeit später 1. Vorsitzender. (Siehe unsere Chronik)

Als nicht gelernter Journalist wurde er Chefredakteur der G-B und prägte die Geflügel-Börse über Jahrzehnte. Verfasste selbst zahllose Artikel über Tauben und andere Tiere. Das Spektrum reichte von Farbmäusen bis zum Großvieh. Viele Artikel über belatschte Farbentauben zeugen von der Liebe zu diesen Taubenrassen und wurden mit vollem Namen unterzeichnet. Schreiben unter Pseudonym war für ihn kein Thema, er stand zu dem, was er schrieb.

Ehrungen jeder Art waren ihm höchst zuwider. Der Geflügel-Börse hatte er verboten, auf seine „großen“ Geburtstage aufmerksam zu machen. Der SV der Züchter belatschter Farbentauben machte ihn zu seinem Ehrenvorsitzenden. Mir war  er ernsthaft böse, weil ich es wagte, in unserem Gruppenrundschreiben auf seinen 80. Geburtstag aufmerksam zu machen.

Vier schöne Bilder hat er der Taubenwelt hinterlassen, die alle im Nürnberger Taubenmuseum zu sehen sind. Ohne Ausbildung, nur mit Fleiß und Übung hat er es zu erstaunlicher Fertigkeit gebracht und seine Lieblinge, Flügeltauben, Schildtauben, Süddeutsche Mönche (wohl das schönste Bild) und Kingtauben gemalt. Als Praktiker konnte  er Tauben in natürlichen Bewegungen malen.
Als Kunstdruckbeilagen fanden die Motive den Weg in die Welt.

Als Taubenpreisrichter war er weltweit unterwegs, seine Richterarbeiten waren streng, gerecht und berüchtigt. Letzteres, weil er immer noch an der Arbeit war, wenn der Katalog schon gedruckt sein sollte. Seine schriftliche Bemerkung über eine zu kurze Farbentaube "so kurz wie ein Furz", brachten ihm einigen Ärger ein.  Gefälligkeitsurteile gab es bei ihm nicht. Die erniedrigensten  Bewertungen meiner Tauben gingen alle auf sein Konto.

Er war lange im Zuchtausschuss tätig, Gründungsmitglied der WPA (Internationale Hühnervögel Vereinigung). Seine Literatursammlung, die ans Taubenmuseum in Nürnberg ging, war riesig.

Als Rentner baute er 1995 auf seiner Sehnsuchtsinsel, der Taubeninsel Tinos in der griechischen Ägäis ein Haus mit Taubenschlag.  Bald nach der Gründung unserer Gruppe durften wir uns mit seinem Beitritt „schmücken“ . Für unsere Chronik schrieb er den ersten Teil der Geschichte des früheren Sondervereins und redigierte die Chronik, handschriftlich. Zur Frühjahrstagung in Gunzenhausen war er angereist, ebenso zu unserer Gruppenschau in Ulm.

Christian verstarb am 14. November in Jesenwang, im Alter von 89 Jahren. Leise und beinahe unbemerkt, für ihn typisch, fand er in Maisach/Obb. seine letzte Ruhestätte. Neben seiner Familie begleiteten ihn ganze zwei Taubenzüchter auf seinem letzten Weg.

Die Facebook – Beiträge zu seinem Tod zeugen von einer weltweiten Verehrung dieses großen Taubenmannes. Ihn als Freund gehabt zu haben, war eine große Ehre. Unsere Gruppe verliert einen Förderer und Freund. Wir werden ihn nie vergessen.

Alois Münst          

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